„Die meiste Wärme verliert der Panda über das Gesicht“

Gerade in der kalten Jahreszeit wirken Rote Pandas aktiver.
„Small panda eating in the snow III“ by Tambako the Jaguar is licensed under CC BY-ND 2.0

In seinem neuen Lehrbuch „Die Sinne der Tiere“ stellt Prof. Dr. Stephan Frings von der Universität Heidelberg die facettenreiche Sinneswelt der Tiere vor. Ein Kapitel widmet sich dem Wärmesinn – und im Zuge dessen auch dem Roten Panda. Denn diese Tierart, die winterlichere Temperaturen bevorzugt, gilt als Paradebeispiel für das Wärmegleichgewicht bei Säugetieren.


Red Pandazine: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Körpertemperatur beim Roten Panda 37 °C beträgt. Welche Faktoren müssen zusammenspielen, damit er diese Temperatur halten kann?

Prof. Dr. Stephan Frings: Für die Temperaturregulation stehen Säugetieren eine Reihe von Faktoren zur Verfügung. Dazu zählen Verhaltensmuster (Aufenthalt in der Sonne vs. Schatten), vegetative Faktoren (Zittern als wärmender, Hecheln als kühlender Faktor) sowie Stoffwechselfaktoren wie einen gesteigerten Zuckerstoffwechsel zur Erwärmung.


Prof. Dr. Stephan Frings

„Wenn sich der Rote Panda zum Schlafen zusammenrollt,
isoliert er sein Gesicht.“


Spielt beim Wärmehaushalt des Roten Pandas auch dessen Schweif eine besondere Rolle?

Prof. Dr. Frings: Vermutlich schon. Denn die meiste Wärme verliert der Rote Panda über die unbehaarte – und damit auch schlechter isolierte – Gesichtshaut, besonders die Nasenhaut. Wenn er sich zum Schlafen zusammenrollt, isoliert er sein Gesicht mit dem Schwanz und verhindert dadurch eine Abkühlung.

Der Rote Panda bevorzugt eine kühle Umgebung. Ist im Umkehrschluss die Haltung von Roten Pandas in wärmeren Regionen problematisch?

Prof. Dr. Frings: Das Habitat des Roten Pandas unterscheidet sich hinsichtlich der Temperaturen nicht so sehr von den Zoos, die in gemäßigten Breiten liegen wie Europa. Aber natürlich: Die Wärmeregulation funktioniert immer nur innerhalb eines engen Toleranzbereiches, das ist jener Bereich, an dem die Tiere angepasst sind. Und gerade zu hohe Temperaturen stellen die Tiere vor große Probleme, denn Abkühlung ist oft schwieriger zu erreichen als Erwärmung. An heißen Sommertagen werden sie wohl auch in europäischen Zoos Probleme haben.

Ein schlafender Roter Panda isoliert sein Gesicht mit seinem Schweif.
Foto: „Sleeping firefox“ von Raphaël Quinet ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0

Die Energie für sein „Heizsystem“ gewinnt der Rote Panda aus dem relativ nährstoffarmen Bambus. Ist das der Grund, warum er eine so große Menge davon fressen muss und zusätzlich viel schläft und ruht?

Prof. Dr. Frings: Ich nehme an, dass das so ist. Sie fressen ja nicht nur Bambus, aber die Verdauung von Pflanzenmaterial dauert eben sehr lang und da schläft man am besten …

Kann die Körperwärme des Roten Pandas Fressfeinde anlocken?

Prof. Dr. Frings: Das könnte vorwiegend auf die Jungen zutreffen. Deren Körperwärme könnte sie Beutegreifern wie etwa Schlangen verraten. Ausgewachsene Tiere verraten sich – denke ich – eher durch ihre auffällige Farbe als durch ihre Körperwärme.


BUCHTIPP
Die Sinne der Tiere

Prof. Dr. Stephan Frings leitet die Abteilung für Molekulare Physiologie der Tiere am Centre for Organismal Studies der Universität Heidelberg.

Sein Buch Die Sinne der Tiere ist im Oktober 2021 im Verlag Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg erschienen.